Zur Geschichte des Chemiestandorts

Luftaufnahme des Leuna-Werkes (1927) mit den 13 über 100 Meter hohen Schornsteinen. (LASA, MER, I 525, FS Nr. G 13106)

Im 19. Jahrhundert verdoppelte sich die Bevölkerung Europas. Dringend galt es, Düngemittel synthetisch produzieren zu können, um bessere Erträge der Böden und damit die Ernährung der Menschen zu gewährleisten.

Dies gelang Fritz Haber: Er entdeckte 1909 ein Verfahren, um aus Luftstickstoff Ammoniak herzustellen. Unter Leitung von Carl Bosch wurde bei BASF Ludwigshafen 1913 die erste großtechnische Produktion von Ammoniak realisiert.

Leuna-Tankstelle am Haupttorplatz (1931) (LASA, MER, I 525, FS Nr. G 22337)

Dann zog der Erste Weltkrieg über Europa. Was zur Sicherung der Ernährung gedacht war, konnte auch als Bestandteil von Munition und Sprengstoff dienen. Es wurde ein neuer Produktionsstandort in der Mitte Deutschlands gesucht: Leuna. Nach nur einjähriger Bauzeit wurde es als "Ammoniakwerk Merseburg" 1917 in Betrieb genommen.

Nach dem Krieg übernahm BASF das Werk und führte die Ammoniaksynthese wieder ihrem ursprünglichen Zweck zu: der Düngemittelproduktion. Der Erfolg der Leuna-Werke wurde aber auch durch andere wegweisende Entwicklungen geprügt, wie die weltweit erstmalige großtechnische Produktion von Methanol und Benzin aus Kohle oder das Verfahren zur Herstellung von Caprolactam, dem Grundstoff von "Perlon".

Der Chemiestandort Leuna Foto: InfraLeuna GmbH

Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs wurden die Leuna-Werke wieder aufgebaut. Meilenstein der Entwicklung war der Bau einer ersten Erdöl-Raffinerie, die durch den Anschluss an die Druschba-Pipeline an Bedeutung gewann.

Aber auch Hochdruck-Polyethylen aus dem Rohrreaktor und Produkte wie Harze, Leime, Katalysatoren und technische Gase kamen aus Leuna.

Verwaltungsgebäude des Chemiestandorts Leuna Foto: InfraLeuna GmbH

Die politische Wende 1990 bedeutete einen herben Einschnitt. Ein Großteil der Beschäftigten verlor den Arbeitsplatz. Marode Produktionsstätten wurden abgerissen. Aber auch viele Neubauten entstanden, allen voran die neue Raffinerie.

Heute ist Leuna ein florierender Chemiepark, die Produktion ist höher als je zuvor. Die Bedeutung für die Menschen und das Land ist unübersehbar.